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Projektübersicht der "Orte der Demokratie"

© SMJusDEG

Seit Anfang 2024 werden in Sachsen insgesamt 19 "Orte der Demokratie" mit bis zu 100.000 Euro pro Jahr gefördert. Sie alle eint der Wunsch nach einem demokratischen und konstruktiven Miteinander - auch wenn sie dabei verschiedene Wege einschlagen.

Die neuen "Orte der Demokratie" (2. Förderrunde)

Auch der zweiten Förderrunde "Orte der Demokratie" ging ein Interessenbekundungsverfahren voraus. Nach dessen Abschluss wurden auf Empfehlung des Fachbeirates die ausgewählten Projektträger zur Antragstellung aufgefordert. Seit Beginn des Jahres 2024 werden sechs weitere Orte mit bis zu 100.000 Euro über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren gefördert.

Projekttitel: Makern statt Meckern - Wir verwandeln Unsicherheit und Skepsis in Engagement und Selbstwirksamkeit

"Makern statt Meckern!" Unter diesem Motto steht der "Ort der Demokratie" in Augustusburg. Das Lehngericht, eines der ältesten Gebäude der Stadt, soll zur Plattform für den lokalen politischen Diskurs und die Mitgestaltung von Bürgerinnen und Bürgern werden. Lokale Akteurinnen und Akteure lernen bildlich beim Über-den-Tellerrand-Schauen mit anderen gemeinsam ihr Süppchen zu kochen. So entsteht und wächst ortsspezifische Identität.

© benjenak

Das Team des Vereins "Auf weiter Flur" will eine inklusive Atmosphäre schaffen, in der die Bürgerinnen und Bürger, Verwaltungsmitarbeitende, und lokale Politikerinnen und Politiker zusammenkommen, um lokale politische Themen zu diskutieren und gemeinsam zu verhandeln. Durch Gesprächsrunden, Stammtische und andere niedrigschwellige Veranstaltungen werden die Bürgerinnen und Bürger dazu ermutigt, sich aktiv in den demokratischen Prozess einzubringen. Das Verständnis für die Funktionsweise des Gemeinwesens soll so gestärkt werden und künstlerisch-kulturelle Möglichkeiten zur aktiven Teilnahme anregen. Die heimische Hutzenstube wird so zum Makerhub. 

Mitmach-Tipp

Blick vom Mitmachgarten auf die Augustusburg © benjenak

Im Mitmachgarten "Pflanz dein Beet!" können alle Interessierten Beete für Kräuter, Blumen oder Gemüse anlegen. Egal ob jung oder alt, ob Hobbygärtnerin oder Anfänger, Baumfreund oder Sonnenanbeterin: Alle sind willkommen, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Und wer will, bringt seine Küchenabfälle mit, um nach dem Bokashi-Prinzip daraus Humuserde werden zu lassen.

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Projekttitel: Kulturhaus Klackx

Außerschulischer Lernort, Treffpunkt im ländlichen Raum, Ort für persönliche und gemeinsame Entwicklung: Was der "Ort der Demokratie" in Glauchau-Niederlungwitz verkörpert, ist alles ander als ein Klacks. "Kulturhaus Klackx" heißt er deshalb, mit dem einen Buchstaben mehr, der auch das Mehr an Angeboten verdeutlichen soll. Tonstudio, Probenräume, Holzwerkstatt: Das Kulturhaus will Menschen wieder an einen Tisch - oder alternativ ein gemeinsames Projekt - bringen. 

Zu sehen ist ein Haus mit Flachdach, an dem noch gearbeitet wird. © benjenak

Das Kulturhaus soll einerseits ganz klassische Bedarfe decken und ein Ort für Treffen, Ausstellungen, Vorträge, Tanzabende und Feiern sein. Andererseits reagiert Klackx auch auf Notlagen: Weil es dringend mehr außerschuliche Lernorte und freie Räume für Kinder und Jugendliche braucht, will das Team neue Kooperationen zwischen Bildungsträgern, sozialen Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen spinnen, um die aufgestauten und bevorstehenden Problemfelder händeln zu können. Tonstudio und Holzwerkstatt mit CNC-Fräse sollen zu einem großen Experimentierkasten werden - für einen Ansatz zwischen außerschulischem Lernort und gestalterischem Freiraum, der zudem Platz für Einzelgespräche und soziale Arbeit bietet und allen Generationen ein Angebot macht. 

Mitmach-Tipp

© Karla Schröder

Vorlesen und gemeinsam Spielen: Das soll die neue Dorfbibliothek ermöglichen. Sie legt den Schwerpunkt auf Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien - auszuleihen gibt es deshalb nicht nur Bücher, sondern auch Brettspiele für einen gemütlichenAbend am Wohnzimmertisch. Und wer online für die Hausaufgaben recherchieren will, für den steht auch ein Computer bereit.

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Projekttitel: GRAND BEAUTY SALON

Let´s go and glow together! So lautet das Motto des GRAND BEAUTY SALON in Leipzig-Grünau. Er möchte ein Raum für intersektionales Lernen und das Erleben von Gemeinschaft sein, in dem sich die Formen des Schönen über Grenzen von Sprache und Kultur hinweg verbinden.

© benjenak

Denn (Selbst-) Fürsorge und Schönheit, davon sind die Macherinnen und Macher überzeugt, gehen mit Wohlgefühl und Selbstakzeptanz einher. Im GRAND BEAUTY SALON herrscht eine positive Atmosphäre, die es sehr viel leichter macht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Hier treffen sie in einem positiven Kontext aufeinander, in dem sie Gemeinsamkeiten entdecken und mehr und Neues über individuelle Unterschiede lernen können - all das mit einem Team lokaler und internationaler Schönheitsexpertinnen und -experten. Die Akteurinnen und Akteure sind im eigenen Salon aktiv, ON TOUR auf Stadtfesten, in Schulen und auf Konferenzen.

Mitmach-Tipp

© benjenak

Beim BEAUTY EXCHANGE beraten und verwöhnen die Expertinnen und Experten des transkulturellen GRAND BEAUTY SALON jeden Freitagnachmittag: Sie schminken und stylen, lackieren Nägel und massieren Gesichter, schneiden Haare und formen Augenbrauen - und gehen mit den Gästen ins Gespräch. Eine Preisliste gibt es nicht, nur die Bitte nach persönlichem Einsatz.

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Projekttitel: Limbach für Alle

Manchmal ist Demokratie auch Durchhalten: Das ist eine Erfahrung, die der Verein "Soziale  politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna" in den vergangenen Jahren immer wieder gemacht hat. Seit 15 Jahren sind die Mitglieder in Limbach-Oberfrohna aktiv und totzten den oft widrigen Bedingungen der ostdeutschen Provinz. Sie erleben ständige Bedrohung und Nazi-Gewalt, selbst einen Brandanschlag auf das Vereinsdomizil. Die Motivation: dennoch ungebrochen.

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In ihrem "Ort der Demokratie" liegt der Schwerpunkt auf Netzwerkbildung, damit Aktive nicht das Gefühl haben, allein gegen Windmühlen zu kämpfen. Und es geht darum, Menschen und Initiativen jeden Alters und Hintergrunds einzubeziehen, ihren Perspektiven Raum zu geben und einen solidarischen Umgang miteinander zu entwickeln. An drei Standorten werden deshalb Orte des Austauschs betrieben, damit auch Gruppen, zwischen denen es bisher kaum Kommunikation gibt, in einen Austausch kommen. Und diese schaffen dann Neues: Sei es die gemeinsame Gestaltung eines offenen Gartens, die Gründung einer Elterninitiative oder auch einer Punkband.

Mitmach-Tipp

© benjenak

In der Doro, dem Vereinsheim der Sozialen und politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna in der Dorotheenstraße, gibt es Konzerte, Workshops und Lesungen. Und weil all das hungrig macht auch eine Küche für alle. Jeden Mittwoch wird gemeinsam gegessen.

Plattenbauten Industriegebäude und eine wechselvolle Geschichte machen den Stadtteil Pirna-Sonnenstein besonders. Einst Heilanstalt, zwischendurch Soldaten- und Flüchtlingslager, wurden in den Jahren 1940 und 1941 fast 14.000 psychisch kranke und gesitig behinderte Menschen ermordet. In der DDR blühte der Stadtteil als Standort der DDR-Luftfahrt- und Rüstungsindustrie wirtschaftlich auf. Mit den 1990er-Jahren folgten dann Abwanderung und Leerstand.

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Und doch: Der Stadtteil ist grün, die Wege kurz, die Aussicht atemberaubend und die Menschen hier hängen an ihrem Stadtteil, dessen kulturelle Vielfalt von außen stigmatisiert wird. Die AG Asylsuchende Sächsische Schweiz-Osterzgebirge e.V. baut hier einen "Ort der Demokratie" für das Heute auf, der die Vergangenheit nicht aus dem Blick verliert und die Menschen im Stadtteil enger zusammenrücken lassen soll. In und um die ehemalige Kneipe "Haus Pfaffenstein" entsteht ein Raum für Meinungsstreit, Aushandlung, Begegnung. Gleichzeitig soll der Ort Schutzraum sein für verschiedene Gruppen - und Austausch anregen. 

Mitmach-Tipp

© benjenak

Das Team der AG Asylsuchende Sächsische Schweiz-Osterzgebirge e.V. setzt auf neue, zugängliche und Klassismuskritische Bildungsformate und Diskussionsangebote, die einen intensiven Austausch befördern sollen. Beim DemoSlam präsentieren die Teilnehmenden Beiträge zu strittigen Themen, die in größerer Runde diskutiert werden. Dabei geht es nicht darum, andere mit Argumenten zu besiegen oder Recht zu behalten, sondern darum Kompromisse zu finden, mit denen alle leben können. Und darum, die Erfahrung zu machen, dass es möglich ist, miteinander zu lachen, auch wenn die Meinungen unterschiedlich sind. 

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Projekttitel: ROWI - Labor

Offenes Vereinsheim, Werkstatt, Clubkinoi, Workshopraum: Das ROWI-Labor ist vieles - und der Name Programm. Es darf ausprobiert und experimentiert werden, auch Fehler sind ausdrücklich erlaubt.

© benjenak

So will die Kommune sowohl jungen als auch älteren Menschen, Geflüchteten und Rückkehrerinnen und Rückkehrer zum Mitmachen und Mitreden animieren, indem politische Bildung, Bürgerbeteiligung und bürgerschaftliches Engagement gestärkt werden. Engagierten und interessierten Bürgerinnen und Bürgern werden Räume zur Verfügung gestellt. Ins ROWI Stadtbüro kommen Menschen mit Sorgen, Nöten und Ideen; weil sie Skatpartnerinnen und Skatpartner, Mitstreiterinnen und Mitstreiter für einen Flomarkt suchen oder E-Bike-Touren organisieren möchten. So entstehen im Kleinen viele neue Verbindungen - und gleichzeitig wird die Innenstadt belebt.

Mitmach-Tipp

Regelmäßige Mediensprechstunden sollen Interessierte im Umgang mit Smartphones oder Fake News schulen: So sollen alle Generationen gut ins digitale Zeitalter und dabei ganz nebenbei mit Menschen ins Gespräch kommen, zu denen sie vorher keinen Kontakt hatten.

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Projekte der ersten Förderrunde

  Projektträger Ort/Landkreis Projekttitel Website
1 Jugend- und Kulturzentrum Alte Brauerei Annaberg e.V. Annaberg-Buchholz/ Erzgebirgskreis Tresen, Themen, Temperamente www.altebrauerei-annaberg.de
2 Kompetenzzentrum für Gemeinwesenarbeit und Engagement e.V. Aue-Bad Schlema/ Erzgebirgskreis Offener Bürgertreff Aue - DIE Demokratiewerkstatt www.kge-erzgebirge.de
3 Steinhaus e.V. Bautzen/ LK Bautzen Gemeinsam in Bautzen - Zhromadnje w Budyšinje www.steinhaus-bautzen.de
4 Treibhaus e.V Döbeln/ Mittelsachsen WerkStadt www.treibhaus-doebeln.de
5 LEBENs(T)RÄUME e.V. Ebersbach-Neugersdorf/ LK Görlitz Demokratie zwischen "B96", Grenze und Engagement: das Miteinander wiederfinden. www.lebenstraeume-verein.de
6 weltbewusst e.V. Königsstein/ Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Aufwind für Königstein – Demokratie verleiht Flügel! www.werkstatt26.de
7 Between the Lines gGmbH Grimma/ LK Leipzig Die Spitzen-Demokratie-Fabrik Between the Lines bei Facebook
8 Pödelwitz hat Zukunft e.V. Groitzsch/ LK Leipzig Zukunftsforum Pödelwitz www.poedelwitz.de
9 Zoo, Kultur und Bildung Hoyerswerda gGmbH / Brigitte-Reimann-Bibliothek Hoyerswerda/ LK Bautzen Offene Werkstatt der Demokratie www.zookultur.de
10 Gemeindeamt Krauschwitz Krauschwitz/ LK Görlitz Amboss und Birnen www.krauschwitz.de
11 LÖBAULEBT e.V. Löbau/ LK Görlitz Demokratiefabrik Löbau www.loebaulebt.de
12 Kulturfabrik Meda e.V. Mittelherwigsdorf/ LK Görlitz Die Meda - Demokratie gemeinsam leben www.kulturfabrik-meda.de
13 Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. Wurzen/ LK Leipzig D5 Wurzen - das Haus, in dem Demokratie gearbeitet wird www.ndk-wurzen.de

 

 

Vernetzungs- und Beratungsstelle für die Orte der Demokratie

© NDK Wurzen e.V.

Als Vernetzungsstelle für die »Orte der Demokratie« agiert das Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. (NDK e.V.) in Wurzen. Zusätzlich zu seiner Förderung erhält der Verein eine Zuwendung für die fachliche Begleitung, Qualitätsentwicklung und Vernetzung aller sächsischen »Orte der Demokratie«.

Detaillierte Angaben zur Förderung 2022

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