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Was ist der NSU-Komplex?

Zu sehen sind die gezeichneten Porträts der Opfer des NSU in schwarz-weiß auf holzfarbenen Untergrund.
© SMS

Zwischen 2000 und 2007 wurden Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter von Angehörigen der neonazistischen Terrorzelle »Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)« ermordet. Bei Bombenanschlägen und Raubüberfällen wurden weitere Menschen zum Teil schwer verletzt. Die Sicherheitsbehörden und Nachrichtendienste konnten die Taten bis 2011 nicht aufklären und weitere Opfer damit nicht verhindern. Sie richteten ihre Ermittlungen gegen die Opfer und ihr Umfeld. Diese Kriminalisierung der Opfer und die von rassistischen Stereotypen geprägte mediale und gesellschaftliche Wahrnehmung fügten den Angehörigen und ihrem Umfeld weiteres Leid zu. Neben den Taten selbst gehört zum »NSU-Komplex« deshalb auch, was davor und danach geschah – also die Gründe für die Gewalt; das staatliche und gesellschaftliche Versagen, als die Taten passiert sind; und die Folgen für die Familien und das Umfeld der Opfer sowie die demokratische Gesellschaft bis in die Gegenwart. Die Taten des NSU bilden kein isoliertes Kapitel, sondern ordnen sich ein in die lange Geschichte des Rechtsterrorismus in Deutschland, mit dem sich die Forschung in den letzten Jahren zunehmend beschäftigt hat. Der NSU-Komplex ist nicht abgeschlossen, solange die gesellschaftliche und juristische Aufarbeitung anhält.

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